Man muss nicht immer der Grösste sein;

Entscheidend ist ihre bessere Strategie


Die spanische Armada König Philipp II. segelte 1588 zum Sturz Elisabeths I. gegen England. Ihr gegenüber stand eine an Soldaten und Ausstattung scheinbar völlig zu unterliegende englische Flotte.

Auf den Weltmeeren herrschte wirtschaftliche Konkurrenz. Die Angriffe und der Schmuggel englischer Freibeuter wie Drake und Hawkins in der  Karibik oder die  Weltumsegelung des Francis Drake (1577-80), die von religiösen Erwägungen stark geprägte Außenpolitik beider Länder und nicht zuletzt erhebliche Spannungen im persönlichen Bereich führten schließlich zum Krieg zwischen Spanien und England.

Die Niederlage der Spanischen Armada 1588
Die ersten spanischen Schiffe der Armada liefen am 28. Mai 1588 aus Lissabon aus. Der Aufbruch der spanischen Flotte mit für die damalige Zeit gigantischen 130 Schiffen zog sich bis zum 30. Mai hin. Die Schiffe waren mit rund 27.000 Soldaten bemannt und mit über 2600 Kanonen bestückt. Die Armada sollte in den Niederlanden eine spanische Invasionsarmee unter Alexander Farnese, dem Herzog von Parma, an Bord nehmen und nach England übersetzen.

Unterschiedliche Seekriegsstrategien um ein und dasselbe Ziel – den Sieg!
Am  31. Juli 1588 erschien die vermeintlich unüberwindliche spanische Armada im Ärmelkanal und es kam zur ersten Seeschlacht zwischen den Engländern und den Spaniern.

Der englische Oberbefehlshaber Lord High Admiral Charles Howard vertraute den erfahrenen Staatspiraten, die seine Geschwader kommandierten. Diese waren John Hawkins, Richard Grenville und Martin Frobisher - alle drei wurden für ihre ausgezeichneten Leistungen im Kampf gegen die Armada geadelt – ferner Lord Henry Seymour, Sir William Winter und Sir  Francis Drake.

Der spanische König vertraute dem Herzog von Medina Sidonia, einen sehr erfahrenen Logistiker, der nur eben kein Seemann und kein Militärstratege wa, und zudem seine Führungsposition gar nicht wollte.

Die Spanier hatten eine halbmondförmige Schlachtordnung, dazu große, schwerfällige Schiffe und waren hauptsächlich auf das Entern der gegnerischen Schiffe mit ihren an Bord befindlichen Soldaten fixiert.

Die Engländer ließen es nicht auf den Enterkampf ankommen, da sie den Spaniern hierbei unterlegen gewesen wären. Die spanischen Fußsoldaten galten als die besten und diszipliniertesten jener Zeit. Die Engländer konnten dafür ihre Artillerie und die Segelleistungen ihrer Schiffe besser nutzen.

Die Bestückung und damit auch die Gefechtstaktik der beiden Flotten unterschieden sich wesentlich voneinander:

Die Spanier wollten den Gegner auf sehr kurze Entfernung beschießen, die Takelage seiner Schiffe und deren Besatzung treffen und dann die feindlichen Schiffe im Nahkampf nehmen. Jedes ihrer schweren Schiffe war deshalb mit 40 schweren, für diese Entfernung konzipierte Geschütze (Cannon-perriers) bestückt.

Die Engländer bevorzugten zwar ebenfalls den Enterkampf, nutzten aber ihre bessere Artillerie, um den Gegner vorher größeren Schaden zu zufügen. Deshalb bestückten sie ihre Galeonen eher mit weittragenderen Feldschlangen als die Spanier. Besonders wegen derhervorragenden spanischen Disziplin, die die Formation der Armada trotz täglicher Angriffe fast immer geschlossen hielt, richteten die englischen Angriffe auf Distanz eher mäßigen Schaden an.

Der Großteil der Armada erreichte die Niederlande, wo allerdings die Koordination mit der  Invasionsarmee Alexander Farneses, des Herzogs von Parma, nicht funktionierte.

Als die spanische Armada im Hafen von Calais ankerte, griff die englische Flotte mit  Brandern, also brennenden führerlosen Schiffen an. Die Spanier mussten den Hafen fluchtartig verlassen und kämpften in der anschließenden Seeschlacht von Gravelines ohne Schlachtordnung. Die Engländer konnten sich so zu mehreren auf je ein spanisches Schiff konzentrieren.

Nachdem alle Schlachten zur See gefochten und alle Stürme zur See überstanden waren, belief sich  der Gesamtverlust der Spanier im August 1588 auf 64 Schiffe und mindestens 12.000 Mann. Die Engländer erlitten allerdings selbst schwere Verluste, denn in der englischen Flotte starben 6.000–8.000 Seeleute, aber hauptsächlich an Krankheiten wie Ruhr und Flecktyphus.

Die schwere Niederlage der Armada hatte insbesondere zum Verlust des bis dato unerschütterlichen spanischen Selbstvertrauens in die eigene Unbesiegbarkeit geführt. Sie war der Beginn des unaufhaltsamen wenn auch allmählichen Aufstiegs Englands zu der führenden Macht auf See.








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